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Welt am Sonntag,
2. Juli 2000
Techno & House Magazine,
Oktober 2000
Bremer Anzeiger



  

 

Welt am Sonntag, 2. Juli 2000

Sie ist die Königin der Love Parade
Am Samstag treffen sich 1,5 Millionen junge Menschen in Berlin zur ausgeflipptesten Straßenparty der Welt. DJ-Frau Nathalie aus Essen heizt ihnen mit Techno ein - für sie das größte Glücksgefühl. Von Andreas Fasel

Essen - Liebe ist ihr Thema - "sowieso". Und Musik. Beides ist in ihr. Wie's da reingekommen ist? "Die Liebe haben mir meine Eltern gegeben", sagt sie. Für die Musik hat sie keine plausible Erklärung. "Es hat einfach 'ping' gemacht", als sie zum ersten Mal diesen künstlichen, synthetischen Sound hörte, damals mit zehn oder elf Jahren in der Jazztanzgruppe.
Jetzt ist die Essenerin Nathalie de Borah 27 Jahre alt und eine der wenigen Frauen, die ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie Schallplatten auflegen. Am kommenden Wochenende wird sie zur Love Parade nach Berlin fliegen und dort Samstagnacht auf der größten und wichtigsten Raver-Party ihren "Ur-Sound" an Zehntausende weitergeben. "Höher kann ein Techno-Disc-Jockey eigentlich nicht kommen", sagt sie. Und: "DJ zu sein ist hip ohne Ende, das ist wie Model sein. Aber ich würde niemals behaupten, dass ich ein Star bin. Ich mag keine Show."

Das ist das Eigenartige an Nathalie de Borah: Alles an ihr ist hip ohne Ende und zugleich noch viel normaler, als man es bei einer Frau ihres Alters für möglich hält. Sie trägt auch als DJane den Namen ihrer Eltern und lebt bis heute in deren Haus, hinter Geranien-Beeten und Rosenstöcken gelegen, am äußersten Rand von Essen, mehr im Wald als in der Stadt. Und da sitzt sie auf einem Sofa zwischen Eiche-rustikal und Kuckucksuhr, an dem Ort, an dem sie ihr Ur-Vertrauen bekommen habe. "Ich habe meine Randerfahrungen gemacht", sagt sie, "und gelernt, dass es zu Hause am schönsten ist."
Aber wenn sie über ihre Musik spricht, fangen ihre Hände an zu flattern, ihre Gesten werden größer und ihr Atem kürzer. "Mein Gehirn schaltet nie wirklich ab, ich denke von morgens bis abends und von abends bis morgens an meine Musik. Deshalb brauche ich diese Ruhe hier."

Nathalie de Borahs Musik entsteht jedes Wochenende neu. Dann fährt sie zum Düsseldorfer Flughafen, fliegt in irgendeine europäische Stadt, mal Zürich, mal Kopenhagen, lässt sich in irgendeinen der gro8en Techno-Clubs kutschieren. In einer Tasche schleppt sie 50 Schallplatten mit, 50 von 5000 Stück, die in ihrem Zimmer lagern, Platten ohne Namen und ohne Label. "Die kriegste gar nicht mehr, das sind meine Goldbarren." Abends zieht sie sich "ein feminines Kleidchen" an, stellt sich hinter zwei Plattenspieler und legt auf. "Nur so ein Rauschen, das benutz' ich am Anfang besonders gern, und die ganz einfachen Töne, reine physikalische Sinus-Töne. Und wenn's so vor sich hinbrodschelt, dann kickst du jeden auf der Tanzfläche um." Das nennt sie "die mentale Kommunikation" mit den Tanzenden, den Ravern, "das, was nicht viele DJs beherrschen": den Groove zu finden und die richtigen Übergänge. Dafür wird Nathalie von ihren Fans geliebt, "manche schreiben hinterher kleine Briefchen und bringen sie ganz schüchtern zu mir. Sie zweifelt nicht daran, dass das auch in Berlin wieder funktionieren wird. "Du musst nur dein Ding machen, dann ist alles so einfach wie im normalen Leben." Klar, es gibt auch unter den DJs verkrampfte und übereifrige, Neider und Intriganten. "Aber die fallen durch den Rost, denn es ist ganz allein das Publikum, das darüber entscheidet, ob du cool bist oder nicht."
1993 hörte Nathalie de Borah zum ersten Mal, dass sie eine coole DJane sei. Bei einer Party in Oberhausen war das, eigentlich nur so zum Spaß. Damals hatte sie gerade ihr Medizinstudium an den Nagel gehängt - nicht aus Faulheit, sondern aus Einsicht: "'Kind, du siehst nicht gut aus, bitte nimm ein Urlaubssemester', sagte meine Mutter. Ich selber hab' in meinem Ehrgeiz gar nicht gemerkt, dass ich mich in etwas verrannt hatte, was mir nicht gut tat."
Nachts, beim Musikmachen, fand sie wieder zu sich. "Aber auch das ist harte, harte Arbeit. Du brauchst Disziplin, nur so wirst du einzigartig." Und manchmal zehrt die Disziplin "an meinem kleinen Körper". Dann heult Nathalie de Borah ein paar Stunden, schläft einen Tag lang, und es geht wieder.
Ob sie sich erklären kann, warum fast nur Männer als DJ Karriere machen? "Vielleicht", sagt sie, "vielleicht gibt's unter den Männern mehr Spinner, die sich auf dieses Experiment einlassen." Möglich, dass Frauen eher ängstlich seien. Sie selbst ist zwar schüchtern "und ein zerbrechliches Weibchen, aber ich hab' ne Menge Mut".

Seit neun Jahren fährt sie zur Love Parade, dieses "allumfassende Gefühl" fasziniert sie. Aber fast könnte man meinen, dass sie sich noch mehr auf den anschließenden Urlaub freut, "Camping mit meinem Freund". Frisch verliebt ist sie, "sissi-romantisch, fast kitschig", sei sie in Liebesdingen. "Aber ohne Liebe hat doch alles keinen Sinn."

 

 

 

Techno & House Magazine, Oktober 2000

Nathalie de Borah
Meine neueste Scheibe "Romy Schneider Blues" wird in den nächsten Monaten erscheinen. Das spezielle an diesem Track ist, dass anstelle von einem 4/4 Takt ein ¾ Takt (Walzer) mit Hilfe von Breakbeat Einlagen einbezogen wurde.

Wie bezeichnest Du Deinem Musikstil?
Techno und Ursound. Es gibt auch sehr viele DJ die mich fragen, was das überhaupt für eine Musikrichtung sei. Für mich ist es Ursound! Ursound beinhaltet nach meiner Definition einen gewissen Kick, den speziellen Groove und eine berauschende, mitreißende Urgewalt des Rhythmus.

Du hast eine neue Platte produziert. Was ist das spezielle an diesem Track?
Meine neueste Scheibe "Romy Schneider Blues" wird in den nächsten Monaten erscheinen. Das spezielle an diesem Track ist, dass anstelle von einem 4/4 Takt ein ¾ Takt (Walzer) mit Hilfe von Breakbeat Einlagen einbezogen wurde. Der Track ist sehr innovativ und einfallsreich eingebaut. Das Stück erscheint auf Media-Rec.

Was bewog Dich dazu einen solchen einzigartigen Track zu produzieren?
Mein Ideenreichtum. Ich bin sehr einfallsreich. Ich habe keine Lust einen gewöhnlichen Track zu produzieren, den es schon 1000 mal in einer anderen Version gegeben hat.

Hattest Du dabei nicht Angst, dass es einen Flop geben könnte?
Nein, man muss sehr innovativ und konstruktiv sein. Nur wer Mut hat kann auch gewinnen. Ich bin einfach ein bisschen verrückt. Ich versuche immer einen Schritt voraus zu sein und meiner inneren Bestimmung als Künstlerin zu folgen.

Mit welchem DJ würdest Du Dich vergleichen?
Ich vergleiche mich mit gar niemanden, ich versuche ICH selbst zu sein und nicht jemanden zu kopieren.

Gibt es DJ's, die Du bewunderst?
Ich bewundere in gewisser Weise z.B. Laurent Garnier und Jeff Mills für ihre künstlerische Begnadung, da sie sich durch ihre eigene Lebens- und Musikphilosophie weit von anderen abheben und bereits andere Sphären durchbrechen konnten.

Du legst seit etwas 6 Jahren auf. Wie kamst Du dazu?
Ich lege zur Zeit in der ganzen Welt auf. Ich will an einem Ort nicht einfach beliebt und bekannt sein, nur weil ich einen guten Track produziert habe. Ich will, dass die Leute an die Party kommen, weil sie eine gewisse Einzigartigkeit meines Sets nachempfinden können. "Fans" muss man sich hart erarbeiten, da einzig das Publikum über Erfolg und Misserfolg entscheiden wird. Ich trage auch eine große Verantwortung gegenüber diesen Menschen, die Eintritt bezahlt haben, damit sie eine Gute Zeit/Party erleben können. Daher werde ich stets - bei welcher Party auch immer - mein Bestes geben und ein gefühlvolles, dem Ort und der Location angepasstes Set kreieren. Davon abgesehen werde ich in der nächsten Zeit vermehrt in der Schweiz zu hören sein(...)!!! Ich habe auch schon in diversen Ländern wie Australien, USA, Kanada, Ungarn, Frankreich, Holland, Italien, Spanien und vielen anderen europäischen Ländern aufgelegt.

Du legst am 7. Oktober an der Goliath 7 auf. Freust Du Dich auf dieses Booking?
Ich freue mich sehr auf die Goliath. Ich liebe die Schweiz und fiebre bereits dem Ereignis gespannt entgegen.

Wie lange dauert bei Dir ein optimales Set?
Ich lege am liebsten 2-3 Stunden auf. In dieser Zeit kann ich einen richtigen Spannungsbogen aufbauen. Sets, die weniger als 90 min dauern machen oft weniger Sinn, da man nicht genug von sich selbst übermitteln kann.

Was geht Dir durch den Kopf, wenn fast keine Leute zu Deinem Sound tanzen?
Die Aufgabe des DJ's ist es zu wissen, Wann? Wo? Welche? Scheibe genau die richtige ist. Die mentale Kommunikation mit den Partygästen ist die höchste Schwierigkeit eines Top DJ's, die es zu beherrschen gilt. Wenn man diesen Punkt im Griff hat, kommt es eigentlich nie vor, dass keine Leute am Tanzen sind.

Welches Booking war für Dich Deine größte Ehre?
Natürlich sehe ich die Mayday 99 & Mayday 2000 als eine Art Krönung meiner Karriere; gleichfalls waren in diesem Jahr zur Love Parade die Veranstaltung: Licht & Liebe und Lovenation wahre Highlights. Ich liebe Berlin sowieso und auf meine gewisse subtile Art und Weise hänge ich wohl auch an der "Low-Spirit-Posse", da dies ganz wunderbare Menschen sind...

Hast Du für nächste Zeit ein eigenes Album geplant?
Man muss alles zu seiner Zeit machen. Im Moment geniessen viele verschiedene Projekte von mir erst einmal den Vorzug, da ich stets meiner momentane Inspiration freien Lauf lasse - so erreicht man das Optimum an befriedigender Selbstverwirklichung, innerer Ruhe und Glückseligkeit! Man kann sich also auf diverse Musikproduktionen von meiner Seite in der kommenden Zeit gefasst machen...

Welches sind Deine Lieblingsclubs?
Airport Würzburg, Matrix Berlin, Poison Club Düsseldorf und viele mehr.

Wo wird man Dich in nächster Zeit in der Schweiz sehen? 07.10.00 Goliath, Gugelmannareal, Roggwil
11.11.00 Sonic vs Cubik, St Jacobs Halle, Basel
23.12.00 Special Christmas Party, Alcatraz Club, Riazzino
31.12.00 Evolution 8, Kongresshaus, Zürich
20.01.01 Basic Technologic, to.See Club, Fribourg
Interview by Roger




Techno und Ursound im Station
Nathalie de Borah legt am Sonnabend bei der "Vision Parade" auf

Nathalie de Borah ist am 19. Juni, die einzige Frau, die beim Abschluss-Rave der "Vision Parade" im Weserstadion als DJ auftritt. Aber Sie ist in ihrem Business beileibe kein Neuling mehr. Um sich den Bremer/innen näher vorzustellen gab Nathalie de Borah dem BREMER ANZEIGER ein Interview

Wann hast du angefanen aufzulegen?
1994 hab ich mein Leben ausschließlich der elektronischen Musik geopfert. Die Inspiration liegt ausschließlich in der wahren Liebe zu dieser wunderbaren Ausdrucksform meines Selbst.

Ist es leichter für eine Frau als DJ gebucht zu werden weil`s so wenige gibt, oder ist es eher schwerer, weil die Konkurrenz des starken Geschlechts ewig dazwischenfunkt?
Als Freau wird man dreimal so stark beobachtet und kritisiert, um nur die Hälfte der Anerkennung zu bekommen. Mittlerweile habe ich mich natürlich so frei gestrampelt, dass es nicht wirklich mehr eine Rolle spielt, ob ich Männlein oder Weiblein bin. Allein meine Musik entscheidet über den Erfolg. Das Publikum ist hart und gerecht.

Du kommst viel herum als DJ. Wo warst du bisher schon?
Eigentlich hab ich wohl schon fast überall mein musikalisches Unwesen getrieben: Australien, Kanada, Asien, USA und natürlich ganz Europa. Ich habe wirklich einen Schatz an internationalen Erfahrungen mit der Musik und den verschiedensten Menschen.

Du warst auch schon öfter in Bremen zu sehen. Was treibt dich immer wieder hierher?
Es ist die supersüße Partyposse, welche mich stets so liebevoll und enthusiastisch bei meinen Sets begleitet hat! Die Leute verstehen meinen So-und und ich versuche, dass ich eine geschmeidige Kommunikation zu ihnen entwickeln kann, damit alle mit einem Lächeln nach Hause gehen können. In Bremen hat dieser Prozess mir stets besonders viel Spaß gemacht.

Welcher deiner Tracks liegt dir am meisten am Herzen?
Tja, natürlich von meiner neuen Platte "Silly Spider": "Back to you".

Wenn du kein DJ wärst, was würdest du heute beruflich machen?
Ich würde mich mit Weltraumwissenschaften rumschlagen und vielleicht wäre ich Astronautin geworden.

Du beschreibst deinen Stil als "Techno & Ursound". Was ist denn letzteres?
Ein Gemisch aus sämtlichen Musikrichtungen, welche durch meine Spannungsbögen und mein elektronisches Urvertrauen einen ekstatische Supergau auf der Tanzfläche erzeugen sollen. Es muss einfach in die Beine und in die Seele gehen.

Es gibt zahlreiche Nathalie de Borah-Produktionen. Produzierst du selbst oder lässt du produzieren?
Ich habe meinen eigenen Kopf und könnte nicht damit leben, wenn irgendein Mensch mich produzieren würde. Dies war allein meinen Eltern vorbehalten. Ich arbeite allerdings meist mit einer anderen Person zusammen und tausche mich aus. Aber ich produziere meine Sachen in Eigenregie vor und die Endversion wird dann zu zweit gecheckt. Alle Ideen, Melodien und Texte kommen allein aus meinem wirren Köpchen.

Was können die Bremer Clubber von dir im Weserstadion erwarten?
Ursound!